Theodosius-Florentini-Schule

Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die schon länger an der Schule sind als sie, aber man kann getrost sagen, nicht sehr viele, die in ihrer Dienstzeit einen tieferen und nachhaltigeren Eindruck hinterlassen haben.

Um all das, was es zu ihren Leistungen zu sagen gibt, steigernd anzulegen, wie sie es bei der Erörterung stets gefordert hat, beginnt die Laudatio mit ihrem Deutschunterricht. Selbst sehr belesen und mit Literatur und Sprache bewandert hat sie Generationen von Schülerinnen vor allem in der Mittel- und Oberstufe äußerst kompetent mit den Schätzen der deutschen Sprachkunst bekannt gemacht und ihnen die tiefere Bedeutung der Gedichte, Kurzgeschichten, Romane und Dramen erschlossen, ob barock, klassisch oder modern. Einige Leistungskurse und Grundkurse waren ihr anvertraut, immer konnte sie mit den guten Ergebnissen im Abitur zufrieden sein. Trotzdem hat sie zwischendurch auch der Deutschunterricht mit den „Kleinen“ gereizt und sie hat mit Erfolg auch Basisarbeit in der Unterstufe geleistet.

Noch ein bisschen wichtiger - so unser Eindruck - war ihr die geschichtliche Bildung ihrer Schülerinnen. Mit einem offenen Blick auf unterschiedliche Geschichtsdeutungen hat sie das Wesentliche immer sehr erfolgreich an die Adresse der Schülerinnen gebracht, bei ihnen die nötigen Grundlagen gelegt und darauf aufbauend ihnen zum souveränen Umgang mit geschichtlichem Wissen verholfen. Großartig verlaufene Colloquien zeugen da eindeutig von ihren Kompetenzen im Fach.

Historisches Wissen geht nicht ohne, sondern nur Hand in Hand mit politischem Wissen. Deshalb war auch immer die Sozialkunde in ihre Verantwortung gelegt. Über den reinen Fachunterricht hinaus hat sie viele Jahre mit Begeisterung auch das Wahlfach „Politik und Zeitgeschichte“ angeboten und geleitet, um die Jugendlichen mit Fragen der Tagespolitik in Kontakt zu bringen und sie für Diskussionen fit zu machen.

Zahlreiche Fahrten und Exkursionen im Dienst dieser beiden Fächer waren ihr ein sehr wichtiges Anliegen. Den „Sambachshof“, später den „Heiligenhof“ hat sie als wertvolles Element der politischen Bildung immer ins Programm genommen, auch wegen der dort möglichen Begegnungen mit osteuropäischen Schülern. Und unsere Schülerinnen waren dort unter ihren Fittichen auch immer gern gesehene und geschätzte Gäste und Teilnehmer. Auch die Fahrten zu den Gedenkstätten Dachau und Buchenwald hielt sie mit Blick auf die notwendige Geschichtsbewältigung für unverzichtbar, ebenso wie z. T. legendäre Fahrten nach Berlin. Die legendärste war - ja, Schüler denken nun mal so - die Berlin-Fahrt 2014, bei der auch der Empfang der frisch gebackenen Fußballweltmeister nebenbei im Programm war.

Damit sind wir beim schlagkräftigsten Argument für ein besonders dickes Lob und Dankeschön für sie angelangt:

Das Theater am MBW war ohne Frau Weigert 25 Jahre nicht denkbar. Sie hat sich manches von ihren ehrenwerten Vorgängerinnen Sr. Angela und Sr. Philomena abgeschaut und hat lange auch von deren sehr umfangreichen Garderobe und Fundus profitieren können, ist dann aber auch ihre eigenen Wege gegangen, was die Stückauswahl, die Inszenierung und die Kostümierung bis hin zu Bühnenbild und Plakatgestaltung betraf. Sie hatte aber auch Helfer an ihrer Seite. Frau Baumgartner z. B. darf als Bühnenbauerin und -malerin hier nicht vergessen werden. Die Stücke hielten über die gesamte Zeitspanne hinweg in all ihrer Unterschiedlichkeit das gewohnte sehr hohe Niveau. Alle ihre Theaterstücke sollen noch einmal in Erinnerung gerufen werden:

  • Die Physiker

  • Romulus der Große

  • Das Haus in Montevideo

  • Der Tag, an dem der Papst gekidnappt wurde

  • Die zwölf Geschworenen

  • Der Florentinerhut

  • Die Hose und der Snob

  • Romeo und Julia

  • Der kleinste Baum (als selbstgeschriebenes Produkt eines P-Seminars)

  • Der Bär auf dem Försterball

  • Das Gespenst von Canterville

  • Bunbury oder Ernst sein ist alles

  • Draußen vor der Tür

  • Meine Leiche, deine Leiche

    Unnachgiebigkeit beim Einstudieren, bis die Szenen genauso beim Zuschauer ankamen, wie sie es wollte, Liebe zum Detail bei kleinen schauspielerischen Gesten, bei Bühnenbild, Kostümen, Licht, Ton und Requisiten, eine geschickte Hand, was die Auswahl der Stücke betraf – all das kennzeichnete sie als routinierte und doch immer wieder aufs Neue mit Lampenfieber geplagte Regisseurin. Allen Zwischentiefs und hektischen Endspurts zum Trotz war jedes Stück für sich doch wieder eine Glanzleistung, die weit über Gemünden hinaus Anerkennung fand und begeisterte. Keines ihrer Stücke blieb hinter dem Vorgänger zurück, so unterschiedlich sie auch von Inhalt und Genre her waren. Und noch etwas darf sie sich auf die Fahnen schreiben: Einige der besonderen Schauspieltalente haben über ihre Gymnasialzeit hinaus in dieser künstlerischen Sparte weitergemacht und Erfolge erzielt. Die Eindrücke, die das Theaterspielen bei den Schülerinnen hinterlassen hat, waren vielleicht sogar intensiver und nachhaltiger als der Deutsch-, Geschichts- und Sozialkundeunterricht, an diese Highlights denken die Schauspielerinnen ein Leben lang zurück. Das gilt auch für die ganze Schule und den Klosterberg. Jeder hat seinen eigenen Favoriten, für den Schreiber dieser Zeilen waren es in jedem Fall die beiden Stücke „Die Physiker“ und „Die zwölf Geschworenen“. Gerade Letzteres ging auch durch die außergewöhnliche Bühnensituation mitten unter den Zuschauern besonders unter die Haut.

    Frau Weigert hat das MBW mit ihren vielen Bühnenstücken nach außen bestens repräsentiert. Dafür – und für ihr Dabeisein im Kollegium, ihren fachlichen und pädagogischen Einsatz sagen wir ihr ein herzliches Dankeschön. Für die nächste Phase ihres Lebens wünschen wir Gesundheit, Freude, Glück, Zufriedenheit und Unternehmungslust! Alles Gute und Gottes Segen dazu!

  • R. Wolz
  • Juli 2017

anm gym

anm real

esis

Highlights

WeigertFrau OStRin i. K. Rosi Weigert verabschiedet sich

Juli 2017

Weiterlesen...

Rückblick

EMiL 2017 1EMiL 2017: Auszeichnung für das Ehrenamt

Juli 2017

Weiterlesen...